Anlass meines heutigen Beitrages ist folgender: Ich war gestern am Morgen beim Arzt, mir meine Befunde meiner Gesundenuntersuchung (Ja, ich wusste lange nicht, wozu ich das machen sollte, bis mich eine Ärztin darauf hingewiesen hat und ob mich das nicht interessieren würde. Ja, ok, habe ich mir gedacht, warum nicht, soll sie halt ein bisschen Blut zapfen. ;) ) abzuholen. Das Wartezimmer war, wie schon erwartet, voll. 

Das Gute daran war, dass ich gerne Gesundheitsmagazine durchblättere und mich der vorweihnachtliche Frieden der hustenden PatientInnen sogleich angesteckt hat. Als ich dann auch noch auf einem Magazin als Headline "Stressabbau durch Yoga" und "Wie Sie vor den Weihnachtsfeiertagen in 2 Tagen 2 kg abnehmen können", war die Welt mehr als in Ordnung. Ich kam mir schon fast vor wie zuhause im Wohnzimmer - fehlte nur noch der Tee und eine romantische Weihnachts-CD. Naja, frau kann nicht alles haben. 

Aber jetzt Spaß beiseite: Wenn ich solche Headlines von etlichen Diäten sehe, könnte ich grün und blau werden und mein Magen dreht sich um (Gut, dass ich noch nichts gefrühstückt hatte zu dem Zeitpunkt.). 

Wie oft wurde ich schon gefragt, welche Diät ich denn mache, weil ich "so schlank" sei. Meine Antwort? Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine Diät gemacht, geschweige denn darüber nachgedacht, jemals eine machen zu wollen. Warum? Weil ein gesunder Körper bei dem Wort alleine schon ganz laut "Nein!!" ruft. Wenn man mit seiner momentanen Verfassung unzufrieden ist, dann sollte man, meiner Meinung nach, tiefer graben und sich fragen, was nicht in Ordnung ist. 

Warum ist man übergewichtig? Liegt es an der mangelnden Bewegung oder an der fehlenden "Süße des Lebens", die man mit Industriezucker zuführen muss? Warum hat man sich eine "Schutzmauer" um seinen Körper angefuttert - will man nicht, dass einem jemand zu nahe tritt? Ist man verletzlich? 

Im Gegenteil dazu gibt es das andere Extrem - Warum sind Menschen "zu dünn"? Eifern sie Idolen aus Film und Fernsehen nach? Wollen sie unscheinbar sein und nicht auffallen? Ist es ein Schrei nach Aufmerksamkeit? 

Ich denke, dass dieser Prozess im Kopf beginnt. Er beginnt mit einer bewussten Einstellung zu seinem Körper und zu seiner Gesundheit. Wir verlernen immer mehr, auf unseren Körper zu hören und die Signale richtig zu deuten und sie dementsprechend zu interpretieren. 

Denn wenn mir die Frau in der Joghurt-Werbung sagt, dass dieses Produkt gut für mich ist, weil es probiotisch ist und viele nützliche Bakterien enthält, bei deren Aussprache sie sich selber fast die Zunge bricht, dann kaufe ich das doch! Und wenn sie die Unmengen an zugesetzten Zucker nicht erwähnt, dann sind diese bestimmt nicht vorhanden! 

Die Weihnachtszeit ist ein gefundenes Fressen für die Werbe- und Lebensmittelindustrie. Der ursprüngliche Sinn: Die Geburt von Jesus. Was heute passiert: Wie kann ich vor Weihnachten möglichst viel abnehmen, um mich dann an den Feiertagen vollzustopfen, dass ich mich fühle wie eine gefüllte Weihnachtsgans? Und das Wichtigste: Wie kann ich im neuen Jahr am glaubwürdigsten jammern, dass ich so fett geworden bin? 

Wie Jesus das wohl gehändelt hat? 

Mir ist durchaus bewusst, dass es sehr gewagt ist, was ich hier von mir gebe. Ich verrate gerne, warum ich es mir trotzdem erlaube: 

Nach 30 Minuten Weihnachtsfrieden in dem Wartezimmer wurde ich aufgerufen und mir wurde wohl mein größtes Weihnachtsgeschenk beschert: Das Ergebnis der Untersuchung.  Die Ärztin hat mich überaus gelobt wegen meinen Werten. Blutdruck: ok, Cholesterin-Wert: optimal, HDL-Wert: "Ich habe selten so einen guten Wert gesehen.", Blut: in Ordnung. 

Obwohl ich eigentlich der Meinung bin, dass ich keinen Arzt brauche, der mir sagt, wie es mir geht, weil ich erfolgreich gelernt habe, auf meinen Körper zu hören, hat mir das Ergebnis durchaus die Bestätigung gegeben, dass ich mit meiner Art zu leben (vor allem mit meinem yogischen Lebensstil und mit bewusstem und selbstgemachtem Essen – das eine oder andere Rezept findest du auf meinem Blog ;) ) ganz gut fahre.

Was ich jetzt mache?

Ich lasse mir ein Stück Lebkuchen auf der Zunge zergehen und denke melancholisch an den morgendlichen Weihnachtseinkauf, wo ich beinahe von mindestens 3 Einkaufswägen überfahren wurde.

In diesem Sinne: Fröhliches Fest!

 

Comment