Soll ich dir verraten, woran ich gemerkt habe, dass der Weihnachtswahnsinn...ähm...pardon, die stille Zeit im Jahr, bereits eingeläutet wurde? 

An der Kassa bei Hofer, wo die Menschen es eiliger als zuvor haben, um vermutlich nicht zu spät zum Kekse backen nachhause zu kommen. Kekse? Oh mon dieu, diese Kalorien! Die Kilos müssen danach ja auch wieder weg! Am besten ich schreib gleich eine Liste mit Neujahrsvorsätzen, in der Sport an erster Stelle steht. Neues Jahr? Ich wollte doch im alten noch so viele Dinge erledigen! Und Sport? Sport ist doch Mord, oder?

Na gut, wie dem auch sei, ich spare es mir im Moment, den Einkaufswagen nach dem Bezahlen mit dem Gekauften zu füllen, denn die nette und (halb)entspannte Kassiererin erledigt das für mich. Das ist doch ein wahrer Vorteil, nicht wahr? (Eier kauf ich übrigens keine, das überleben sie nicht.)

Mein eigentliches Thema für den heutigen hat nichts mit der Weihnachtszeit zu tun, das ist mir zu stressig. Nein, dies war lediglich eine Einleitung für meine kleine Bericht-Reihe zum Thema "Die Zukunft des Fleisches". In den kommenden Beiträgen, die ich veröffentlichen werde, würde ich gerne, basierend auf den Input vom "Future of Meat-Forum", welches letzte Woche im Futurefood-Studio im 16. Bezirk in Wien stattgefunden hat, zum Nachdenken und Nachlesen anregen. Ich liefere es in kleinen Häppchen, da das Thema so wahnsinnig umfassend ist und ich dich nicht überrollen möchte mit den ganzen Infos. 

Während des Zeitraumes von drei Tagen haben sich ExpertInnen und Interessierte getroffen, um unterschiedliche Zukunftsszenarien durchzuarbeiten und zu diskutieren, wie und ob es mit dem Fleischkonsum weitergehen wird.

Bevor ich dir nun verrate, wie und warum meine Weihnachts-Einleitung zu dem heutigen Thema passt, denn nein, ich bin (noch) nicht verrückt, präsentiere ich dir die ersten zwei möglichen Situationen in der Zukunft eingehen, die beim Forum vorgestellt wurden. Alleine dies war schon ein Highlight, da jede mit einem kurzen Stummvideo veranschaulicht wurde.

1. Insekten

Werden die kleinen Krabbel- bzw. Springtiere unseren Rinderbraten ersetzen? Ich denke, der Ekelfaktor ist bei vielen groß. Insektenessen.at hat ein paar Vorteile der kleinen Kriechtiere als Ernährungsform angeführt, an die man, fernab vom Ekel, zu Beginn wahrscheinlich gar nicht denkt. Verglichen mit beispielsweise einem Rind, haben Insekten einen wesentlich geringeren Verbrauch an Futter, an Wasser und an Emissionen und sie benötigen einen Bruchteil an Platz im Vergleich zum Säugetier.

Ich muss ehrlich gestehen, ich bin mir in der Debatte um Insekten meines Platzes noch nicht ganz sicher. Bei einigen der LeserInnen sehe ich schon die Fragezeichen über dem Kopf herumschwirren, denn manche werden sich wohl denken, was es da für eine überzeugte Vegetarierin noch zu überlegen gibt?! Fragen wie: „Zählen Insekten denn nicht zu Tieren?“ „Findet sie diese Tierchen nicht wahnsinnig ekelig?“ und „Ist sie nun doch der Meinung, dass der Mensch tierisches Protein braucht?“ sind zu 100% plausibel.

Doch. Jein. Nein.

Insekten zählen für mich genauso zu Fleisch wie Fisch und Geflügel (Wer hat dieses Hirngespinst eigentlich verbreitet, dass man Geflügel vom restlichen „Fleisch“ abgrenzt und die Leute verwundert schauen, wenn man es als Vegetarierin NICHT isst?!) und ich persönlich würde sie vermutlich nicht im meinem Ernährungsplan aufnehmen, da ich, und damit springe ich direkt zur dritten Antwort, davon überzeugt bin, dass ich ohne Fleisch nicht vom Fleisch falle und zusätzlich ausreichend Protein zu mir nehme. Wenn ich allerdings an die zuvor erwähnten Vorteile von Insektenzucht denke, dann entscheide ich mich für die Krabbeltiere. Fleischkonsum ist schon lange kein Thema mehr, welches nur die FleischkonsumentInnen direkt betrifft: Es betrifft uns alle! Damit der Großteil unter uns seinen geliebten, dampfenden Sonntagsbraten wöchentlich auf dem Tisch vor sich stehen hat, muss sich Mutter Erde ganz schön viel mitmachen. Man denke an den CO2-Verbrauch der Tiere, an die riesigen Flächen an Acker, wo Futter angebaut wird und vor allem an den Müll und Abfall, der entsteht, denn abgesehen von dem immensen direkten Fleischkonsum in vielen Kulturen wird mindestens genauso viel Fleisch WEGGESCHMISSEN!

Ich denke, dass diese Anhäufungen an Tierabfällen bei Insekten auf jeden Fall ausbleiben würde. Zum einen, da rund 80% des Insektes (abhängig vom Tier) essbar ist, was rund das doppelte im Vergleich zum Rind darstellt. Zum anderen sind Insekten im Moment noch sehr teuer. Zusätzlich werden sie hauptsächlich mit oder in anderen Lebensmitteln verarbeitet verspeist und nicht gegessen, um Fleisch an sich zu konsumieren - der Proteine zuliebe. Apropos Proteine: In einem Insekt stecken rund 60% Proteine, im Vergleich zum Rind um 20% mehr. (Quelle: insektenessen.at)

2. Nichts verändern: 

Dies ist natürlich der Extremfall und für die meisten VegetarierInnen und VeganerInnen endet hier wohl die Lektüre, denn sie wollen und können sich dies gar nicht vorstellen. Aber bitte das rote Kreuzerl noch nicht klicken, denn ich bin der Meinung, in einer so weit gefassten Diskussion sollte wirklich Platz für jede einzelne Stimme sein. Genau das macht das Thema so spannend!

Hast du dir je im Detail überlegt, warum wir Menschen seit der Steinzeit Fleisch konsumieren? Bei einem der Forum-Workshops haben wir uns im Detail mit dem Thema auseinandergesetzt und in unserer Kleingruppe wurde sehr aktiv und angeregt darüber diskutiert. Was macht das Fleischessen so besonders? Warum hat Fleisch so einen großen Stellenwert bei uns Menschen?

Seitdem ich mich dieser Fragen intensiver gewidmet habe, verstehe ich auch besser, wenngleich ich keine Befürworterin vom Tiereschlachten an sich bin.

Nehmen wir als erstes Beispiel die Paleo-Diät, auch Steinzeit-Diät genannt. Bei dieser Diät-Form geht man „zurück zum Ursprung“. Man ist der Meinung, dass all die verarbeiteten Lebensmittel, die wir in Unmengen zur Verfügung haben, vom Körper nicht richtig verwertet werden können, da der Körper nicht dafür gemacht wurde. Der Steinzeit-Diätler besinnt sich darauf, was die Menschen etwa 300 Generationen vor uns (bitte die Zahl nicht auf die Waagschale legen) gejagt und gesammelt haben – unter anderem waren sie auf der Jagd nach Fleisch. Das heißt also, der menschliche Körper ist ausgerichtet, um Fleisch zu konsumieren.

Was hat der Steinzeitmensch mit dem erlegten Tier gemacht? Er hat es auseinandergenommen und über Feuer gegrillt, bzw. gekocht (wenn er sich nicht gerade ein Carpaccio gegönnt hat ;-)). Wo wir beim Thema sind: Jagen geht der moderne Mensch nur noch in den Supermarkt, wo ihm das Hendlhaxl quasi in den Einkaufskorb springt, aber Grillen kennen und lieben wir im 21. Jahrhundert immer noch.

Was verbindest du mit Grillen?

Es ist etwas, was man im Sommer mit Freunden macht. Man macht gemeinsam das Feuer, bereitet das Fleisch zu, mariniert es, schnippselt Gemüse, trinkt ein Bierchen und genießt das Beisammensein mit der Familie oder eben den Freunden. 

Naaa, fühlt sich gut an, oder? Der Geruch, das Zusammensein mit den Liebsten, Sommer, Sonne, Genuss. Und genau das ist der Punkt, bzw. die Punkte: Die Zubereitung von Fleisch, also das Ritual „Grillen“ ist das eine, es ist vertraut und altbewährt, das andere ist der gesellschaftliche Aspekt. Grillen als solches verbindet, denn man trifft sich und „unternimmt“ gemeinsam etwas. Das heißt, Fleisch essen fördert das Sozialleben.

Da ist dann allerdings noch ein Punkt, der erwähnenswert erscheint: Erinnere dich zurück in deine Kindheit und hier nun auch die Auflösung bezüglich der Einleitung mit Weihnachten: War es nicht immer schön, zu Weihnachten bei Oma am Esstisch zu sitzen, der Geruch des Schweinebratens und der Knödel hängt in der Luft und die ganze Familie hat sich am Tisch neben dem Weihnachtsbaum (voll mit Geschenken natürlich!) versammelt, um gemeinsam die Feiertage zu genießen und zu essen? Man plaudert mit seinen Liebsten und man freut sich, nach dem Essen endlich die Geschenke aufreißen zu können.

Wie geht es dir dabei? Was fühlst du bei dem Gedanken? Fleisch essen ist oftmals eingebettet in sehr emotionale Situationen, die an alte Zeiten oder besondere Momente erinnern.

Um noch einmal zusammenzufassen: Fleisch hat der Mensch seit Anbeginn gegessen, es fördert das soziale Zusammensein und es weckt bestimmte Gefühle. Warum also aufhören?

Mit diesen Argumenten habe ich mich wohl fast schon selber ins k.o. katapultiert.

Nicht ganz. Ich denke, nur, weil der Mensch in der Steinzeit schon Fleisch gegessen hat, heißt das noch lange nicht, dass wir es heute immer noch unbedingt brauchen! Die Regale in den Supermärkten sind mehr als voll mit Lebensmitteln: Wir nagen nicht am Hungertuch! Früher diente der Fleischkonsum zum Überleben. Davon sind wir westlichen Menschen aber heute schon sehr weit entfernt (auf den kulturellen Aspekt komme ich zu einem späteren Zeitpunkt noch zu sprechen).

In punkto Sozialleben sei erwähnt, dass man durchaus auch andere Dinge, wie Gemüse oder diverse Laibchen aus Hülsenfrüchten sehr gut grillen kann und es nur mangelndes Wissen ist, wenn man meint, dass nur Fleisch am Grill gut schmeckt. Ja, natürlich ist der Geruch von frisch gegrilltem Fleisch oft unwiderstehlich, aber ich esse auch keinen ganzen Cheesecake auf einmal, bloß, weil er so verführerisch aussieht. Ganz im Gegenteil erlebe ich es im Freundeskreis nur zu oft, dass genau das fleischLOSE Kochen und Essen für viele so spannend ist, weil man gemeinsam experimentieren und sich austauschen kann.

Und in Hinblick auf Gefühle: Ja, gegen Gefühle kann ich mit Argumenten nicht mithalten, die hat man, oder hat man nicht. Ich habe auch starke Gefühle - und zwar sehr starkes MITgefühl mit den Tieren, die wegen uns leiden und getötet werden und denen jedes Recht auf ein gutes Leben abgeschrieben wird, nur, weil wir Menschen glauben, ein Leben ohne Fleisch ist möglich, aber sinnlos. MITgefühl auch mit der Oma, die einen halben Herzinfarkt erlebt, wenn sie im Supermarkt das Fleisch einkaufen will und ihr die Verkäuferin mitteilt, dass die Kundin vor ihr das letzten Stück gekauft hat und sie sich wohl nach einem alternativen Menü umsehen muss. Wäre ja eine Schande, wenn es ausnahmsweise einen bunten, festlichen Eintopf mit Gemüse geben würde, denn dann müsste sie ja aus der Familientradition ausbrechen und Opas griesgrämiges Gesicht aushalten.

Fröhliche Weihnachten!

So, genug Futter zum Nachdenken und Diskutieren. Vorerst. Im nächsten Beitrag stelle ich dir weitere Zukunftsszenarien vor.

Welche schwirren dir im Kopf herum? 

 

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