Normalerweise beginnen solche Berichte immer mit „Liebes Tagebuch…“, wobei ich mich dann immer frage, was es denn ein Buch interessieren mag, was man erlebt?!

Nein, mein Bericht ist an all jene gerichtet, die sich außer für meine Rezepte für meine Erlebnisse in Südafrika interessieren. Denn da bin ich im Moment – genauer gesagt in Namibia seit nun einer Woche.

In den kommenden Wochen möchte ich euch gerne wöchentlich berichten, was ich erlebe und wie es mir hier geht, vorausgesetzt, das Internet lässt es zu. Geplant sind auch Fotos, welche ich aber nicht garantieren kann – you know, the other side of the world… ;) Nein, so schlimm ist es natürlich bei Weitem nicht. Ganz im Gegenteil, ich bin erstaunt darüber, wie zivilisiert es hier tatsächlich zugeht.

Sonnenuntergang auf der Farm in Hochberg

Sonnenuntergang auf der Farm in Hochberg

Aber nun alles der Reihe nach:

Der Grund, warum ich eigentlich hier bin ist ein Sommeruni-Programm, welches eine liebe Freundin von mir, Lisa, organisiert und ich bin sozusagen ihre persönliche Assistentin und nehme gleichzeitig an dem Uniprogramm teil. Tja, könnte Schlimmeres geben, ich weiß.

Weißschwanzgnus.

Weißschwanzgnus.

Unsere Reise begann letzten Dienstag um 6.57, wo der IC uns in knapp sieben Stunden nach Frankfurt brachte. Weiter ging es dann um 20.10 mit der Air Namibia in Richtung Windhoek, der Hauptstadt Namibias. Der Flug war gut -  mit Augenklappe und der nötigen Müdigkeit übersteht frau locker mal einen neun-Stunden-Flug bei gefühlten Minusgraden und Menschen, die ständig an dir vorbeilaufen zum stillen Örtchen.

Diese gefühlten Minusgrade waren dann allerdings gar nicht mehr so „gefühlt“, als wir etwa um fünf Uhr morgens Ortszeit (Der Jetlag bei einer Stunde Zeitverschiebung macht mir jetzt noch zu schaffen ;)) aus dem Flugzeug ausstiegen. Es hatte original -6 Grad Außentemperatur – welcome to Africa! Heizung ist ein Fremdwort, das habe ich im Flughafengebäude, wo es wie in einem Vogelhaus gezogen hat, schon lernen dürfen.

Gut, dann mal ins Taxi rein und ab in den „Paradise Garden“, unsere Unterkunft für die nächsten Wochen. Schon beim Reinfahren in die Stadt sind mir die Straßennamen aufgefallen: Mozartstraße, Beethovenstraße, Straußstraße, Bachstraße,… nur die Musik hat gefehlt.

Man merkt hier doch sehr, sehr deutlich den deutschen Einfluss. Es gibt hier immerhin einen Superspar, Produkte von Balea und einen Biergarten – meinen geliebten Hummus hab ich leider noch nirgends gefunden.

Lisa und ich teilen uns ein schickes Doppelzimmer mit Badezimmer außerhalb – ich werde die ersten Stunden hier niemals vergessen. Ich habe so unglaublich gefroren. Zuhause in Europa geschwitzt wie eine Dumme und dann fliegt frau in den Süden und erlebt einen Temperatursturz von mehr als 30 Grad.

Das Verrückte: Diese 30 Grad Temperaturunterschied erlebe ich hier nun täglich. In der Nacht in drei Decken eingemummt und untertags im Bikini am Pool (gestern hatte ich meinen ersten Sonnenbrand – wurde auch Zeit!). Meine Haut ist zu 100% trocken und meinen Locken wurde der Garaus gemacht.

Die ersten Tage hier haben wir dann mit organisatorischen Dingen verbracht – Decken und Sandalen und Wasser, welches hier wirklich Mangelware ist, gekauft. Auf der Uni waren wir auch schon. Stress haben die Leute hier nicht, das sei gewiss. Wir in europäischer Manier stehen immer pünktlich auf der Matte – natürlich vor verschlossenen Türen. Jetzt wissen wir, dass sich der 40-minütige Teeklatsch am Morgen vor dem Termin noch locker ausgegangen wäre. Ansonsten war es spannend, als einzig Blonde über den Campus zu latschen und herauszustechen. So müssen sich wohl Außerirdische fühlen…

Die Leute im Allgemeinen sind sehr zuvorkommend und nett. Die Taxifahrer sind teilweise lebensmüde und an der Kassa wird dir alles sofort in tausend Plastiksackerl gepackt, was mich wirklich nervt. Wenn ich meine eigene Stofftasche auspacke, werde ich angesehen wie…eine Außerirdische.

Unser supertoller Toyota, der uns heil über Sand- und Steinstraßen kutschiert hat. 

Unser supertoller Toyota, der uns heil über Sand- und Steinstraßen kutschiert hat. 

Mein Wochenende war dann schon ein weiteres Highlight: Lisa und ich sind auf eine Farm zu Bekannten gefahren. So etwas habe ich in meinem zarten Alter noch nicht erlebt: 120 km querfeldein ins…Nichts! „Leider“ hat die Automietfirma uns abgegradet und somit mussten wir wohl oder übel mit einem neuen Toyota Hilux (siehe oben) die Reise antreten. Im Nachhinein war es das Beste, was uns passiert ist, denn mit solchen Stein- und Sandstraßen mitten in der Wildnis sollte man und vor allem frau sich nicht anlegen.

Im Nirgendwo angekommen, offenbarte sich uns die Natur von seiner schönsten Seite: Oryxe, Springböcke, Nashörner, Paviane, Stachelschweine, Warzenschweine, Perlhühner, Rinder, Kudus, Wasserböcke, Blessböcke und Straußen und Gott sei Dank keine Black Mamba (Die schläft im Moment – hoffentlich!). 

Das Leben in der Wildnis fasziniert mich und gleichzeitig habe ich einen Heiden Respekt davor. Den Schritt zu gehen, auf einer Farm in Namibia sein Leben zu verbringen, sich auf die Natur mit all ihren Seiten einzulassen und zum Großteil von der Viehzucht zu leben, jagen zu gehen und jedes Mal fast zwei Stunden im Auto zu sitzen, um wieder Teerstraßen unter sich zu haben, ist meiner Meinung nach ein unendlich mutiger und wäre für mich (im Moment) unvorstellbar. Umso mehr bewundere ich all jene, die es wagen.

Wir hatten das Privileg, mit dem Herrn des Hauses querfeldein unsere ganz persönliche Safarifahrt zu erleben, wir spazierten zwischen den Büschen herum, genossen die Sonne und froren NICHT in der Nacht!

Was mir schon lange nicht mehr passiert ist vor diesem Trip, ist, dass ich mich dafür rechtfertigen musste, dass ich kein Fleisch UND AUCH KEINEN FISCH esse, weil, ja, Fisch ist auch Fleisch! Tja, Namibia ist ein Land, wo viel, seeeehr viel Fleisch gegessen wird – und ich, inmitten, koche mir jeden Tag mein Mielipapp und meinen Gemüseeintopf.

Sehr typisch hier ist getrocknetes Fleisch - Biltong, da gibt es sogar eigene Shops dafür. Ansonsten fehlt es Windhouk nicht an Fast Food-Restaurants und Snackbars. Ich habe, um ehrlich zu sein, kulinarisch noch nicht sehr viel erlebt, das wird dann vielleicht noch kommen. Ich koche gerne hier in der Unterkunft und sitze dann abends (um spätestens 17 Uhr, da es um 18 Uhr stockfinster ist!) mit den anderen Leuten zusammen, um zu quatschen und Erfahrungen auszutauschen. 

Mielipapp: traditioneller Maisbrai, normalerweise mit Butter und Zucker gegessen, verspeise ich ihn mit Obst und Nüssen zum Frühstück.

Mielipapp: traditioneller Maisbrai, normalerweise mit Butter und Zucker gegessen, verspeise ich ihn mit Obst und Nüssen zum Frühstück.

Heute am Vormittag war ich mit einem aus der Unterkunft laufen - endlich wieder! Um ehrlich zu sein, ist es mir (noch) ein bisschen unangenehm, alleine in der Stadt herumzulaufen. Ich habe doch Respekt davor. Es war einfach toll, ein joggend die Gegend ein bisschen zu erkunden. Pause machten wir auf einem kleinen Aussichtspunkt (Windhouk liegt auf über 1000 Meter Seehöhe und ist sehr hügelig), wo ich den bisher besten Blick über die Stadt erheischen konnte. 

Zwei Tage arbeite ich nun an diesem Bericht, weil das Internet meistens das macht, was es will, umso glücklicher bin ich jetzt, dass ich die Fotos hochladen konnte und hoffe, ich konnte einen kleinen, ersten Eindruck von dieser anderen Welt hier bieten. 

Ich melde mich nächste Woche wieder! 

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