Anfang der Woche hatten Lisa und ich Halbzeit!!!

Zusätzlich war es wohl die gefühlt ereignisreichste Woche bislang. Ich hoffe, ihr habt ein bisschen Zeit mitgebracht. 

Und wisst ihr was? Ich habe ernsthafte Bedenken, dass mir die Zeit nicht ausreichen wird, um eine dementsprechende Bräune anzunehmen, mit der ich gut getarnt wieder nachhause fliegen werde.

Da ich mich seit Wochen nur dann im Spiegel sehe, wenn wir in einem Geschäft mit Ganzkörperspiegeln sind, muss ich darauf vertrauen, was mir meine Mitmenschen sagen, bzw. wie die Rotfärbung meiner Nase aussieht. Angeblich bin ich am guten Weg zu einer knackigen Namibiabräune. Na hoffentlich, frau fährt ja nicht umsonst in den Süden.

Gut, Woche 4 war sehr Uni-intensiv. 3-4 Stunden am Tag sind schon anstrengend!

Am Montag waren wir in Windhoek beim „Heroes Acre“, also beim Denkmal für die 1990 erlangte Unabhängigkeit des Landes – ein sehr „mächtiger“ Platz, mit einem Feuer (der internal flame), welches 24/7 brennt. Man merkt sehr deutlich, wie wichtig dieses Ereignis für die Einheimischen war und immer noch ist.

Abends waren wir in „Joe’s Beerhaus“, wo ich mir ein leckeres, lokales Urbock-Bier gönnte und, eines der Spezialitäten hier, was wirklich „lekker“ ist, nämlich gefüllten Kürbis. Zusätzlich gab es Mieliepapp-Croquetten – ich war im kulinarischen Himmel. Ansonsten ernähre ich mich nämlich ausschließlich von Gemüse mit Reis oder Quinoa oder seit Neuestem, Linsen. Meine Gewürze fehlen mir ein bisschen. Und: Ich habe im Moment überhaupt keine Lust auf mein heißgeliebtes Porridge. Mein Frühstück hier: Roggenvollkornbrot mit Cottage Cheese und Tomaten. Ich mag eigentlich keine Tomaten. Im Ausland entwickele ich immer einen ganz eigenen Geschmack.

Dienstag, der 16.08.2016 sollte ganz besonders erwähnt werden. Es haben sich zwei sehr wesentliche Dinge ereignet.

Der Tag fing ganz „normal“ an, wir hatten Uni und sind am Nachmittag zusammen im Hostel draußen gesessen, um unsere Hausübungen zu erledigen. Auf einmal, wie aus dem nichts, verdunkelte sich unsere Sicht ganz leicht. Was mag das wohl sein? Wir waren beunruhigt.

Ein Blick zum Himmel lüftete das Mysterium: Eine WOLKE! Nein, ich bin weder verrückt, noch betrunken (nur vielleicht ein bisschen viel Sonne – siehe oben), aber es war einfach drei Wochen her, dass wir die letzte Wolke am Himmel gesichtet haben, und das war in Europa.

Ja, ich weiß, dieses Erlebnis ist kaum noch zu toppen, aber nun haltet euch fest: 10 Mädels von uns hatten ein Date.

Auf der Rooftopbar vom Hilton-Hotel (coole Cocktails für hotte Mädls.). Mit dem namibischen Vize-Industrie-Minister…oder so. Eine sehr berühmte Persönlichkeit auf jeden Fall. Er hätte uns ja zu gerne auf eine seiner Farmen willkommen geheißen, aber wir haben uns für die Party in seinem Haus in Windhoek entschieden. Aus Zeitgründen von unserer Seite. You know. Ich halte euch diesbezüglich auf dem Laufenden.

Wie wir heimgekommen sind? Mit dem schwarzen Minister-Mercedes (abgedunkelte Scheiben muss ich nicht erwähnen, oder?) inklusive Fahrer und Bodyguard. Nein, kein aufgeblasenes Sixpack – wie Lisa es so schön zu formulieren vermochte: „Can I be honest with you? You don’t look like a bodyguard. Do you even have strong arms?“ Eher um Bücher zu schleppen, wenn ihr mich fragt. Die Fassade ist super!

Vielleicht sollte ich doch noch ein bisschen von der Uni berichten. Macht ja fast den Anschein, als würden wir hier nichts als Party machen. Stimmt nicht!

Namibia ist ein Land, welches mich auf allen Ebenen fasziniert. Obwohl Österreich mehr als 10mal kleiner ist als Namibia, überragt ersteres mit seinen 8,7 Millionen Einwohner Namibia um ca. 6,3 Millionen Einwohner (Bitte klaubt nicht an den Kommastellen herum!).

Die ProfessorInnen sind extrem nett und zuvorkommend. An einem der anstrengenden (!!) Tage, wo wir 4 Stunden Unterricht hatten, hat eine Professorin vorgeschlagen, eine „open discussion“ am Campus in der Sonne zu führen.

Man hat wirklich das Gefühl, dass es sich bei den ProfessorInnen und uns um einen fast ausgeglichenen Austausch handelt. Jeder und jede profitiert von dem und der anderen. Anfang der Woche waren wir mit einer Professorin in einem besonderen Supermarkt, weil sie uns die lokalen Früchte zeigen wollte. Das war wohl der beste Uniausflug, den wir je hatten!

Genauso mysteriös wie die Woche begonnen hat, hat sie ihren Lauf genommen: Freitag früh am Morgen saß ich in gewohnter Maniere auf meiner Yogamatte, bevor sich das Wunder ereignete: Mit dem Sonnengruß noch nicht begonnen, begann es ganz leicht, pitsch-patsch, kleine Tröpfelchen vom Himmel zu regnen. Und nein, ich bin immer noch nicht ver-rückt, das Wetter allerdings schon! Es ist TROCKENZEIT und wir haben Regen gesehen!!!

Voll motiviert sind wir um 8 Uhr in unseren Shuttle gestiegen: Auf an die Westküste nach Swakopmund!

Swakopmund von oben.

Swakopmund von oben.

Erster Eindruck: Kalt und feucht! Dort hat es der Winter nicht sehr gut mit uns gemeint. Ich hab mich ein bisschen so wie bei der Ankunft hier in Windhoek vor 4 Wochen gefühlt.

Die Stadt an sich ist so anders, was uns Afrika bis jetzt geboten hat. Eine Stadt, die zum einen an eine kleine Puppenstadt erinnert, andererseits spiegeln sich die deutschen und britischen Einflüsse aus der Kolonialzeit sehr merklich wider.

Abends waren wir in „Kücki’s Pub“, wo ich Sauerkraut und Petersilkartoffeln bestellt hab. Dazu kam, dass fast jede und jeder dort Deutsch gesprochen hat. Im ersten Moment war ich nicht sicher, was ich von der Stadt halten soll, aber nachdem wir am Samstag im Aquarium, am Strand, Cheesecake essen und im Kristallmuseum waren, war ich mit der Stadt etwas ausgesöhnt, trotz des ungemütlichen Wetters.

Ich muss noch einmal zurückkommen zum Strand. Das war so besonders, weil wir die raue See, Steine, Sand und Wüste auf einmal aus einem einzigen Blickwinkel erlebt haben – so etwas habe ich absolut noch nie erlebt. Das war so wunderschön!

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Sonntag ging es weiter mit Action. Es ging früh morgens nach Walvis Bay, wo unsere „Quadbiketour“ stattfinden sollte. Die Motivation war anfangs leider nur sehr beschränkt gegeben, weil es so feucht und…kalt war. Schlussendlich haben wir aber keine der 4 Stunden missen wollen.

Eigentlich war das Quadbiken allein schon aufregend genug – frau hat dies ja zum ersten Mal gemacht. Und das inmitten von Dünen, Sand und…Sand. Aber es kam noch dicker: Das Quadbike war eigentlich „Mittel zum Zweck“, um zu den einzelnen „Sehenswürdigkeiten“ zu gelangen. Da war die erste Station die Inspektion einer ganz häufigen Käferart, die sich in der Wüste angesiedelt hat. Dann ging es weiter zu, in der Wüste versteinerten Fußabdrücken von Mensch und Tier, die wohl Tausende Jahre alt sein müssen, um dann weiterzudüsen zu den ca. 2000 Jahre alten Gräbern der Hottentotten.

Haaaaaaaaaalt, in diesem Zusammenhang muss ich euch meinen „Fact of the day“ verraten: 24 ½ Jahre war ich in dem Glauben, dass die Aussage meiner Oma, wenn ich mich unartig verhalten habe „Wir sind hier nicht bei den Hottentotten!“ eine Erfindung ihrerseits war. FALSCH! Die Hottentotten haben tatsächlich existiert. Sie waren ein alter, afrikanischer Stamm, Vorfahren der heutigen „Namas“. Und diese Menschen haben zu damaliger Zeit all ihre Verstorbenen eingegraben. Der Platz ist heute noch voll mit Knochen und Überresten:

Prädikat: Beeindruckend!

Überreste der Gräber der Hottentotten

Überreste der Gräber der Hottentotten

Mein persönliches Highlight kam dann am Schluss der Tour: Unser „Guide“ ist mit uns mitten in den Dünen auf einem scheinbar „random“ Platz stehen geblieben und hat auf einmal zum Buddeln angefangen. Nach kaum einer Armlänge plötzlich kam WASSER zum Vorschein! Zwar vom Sand verschmutztes, aber ansonsten trinkbares Süßwasser! Dieser Teil der Namib-Wüste war einmal Meer, nachdem die Winde und der Benguela-Strom den Sand aufgewirbelt haben. Was für ein Wunder!

Die Wüste ist sowieso ein einziges Wunder. Auch heute hatte ich wieder so viele Momente, an denen ich es kaum fassen konnte, was sich für eine unbeschreiblich schöne Natur sich mir bot. Diese Schönheit kann man auf keinem Foto festhalten, aber ich habe sie fest in meinen Gedanken konserviert.

Am Nachmittag traten wir dann wieder die Heimreise an. Gott sei Dank kam dann die Sonne raus…

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