Alles hat ein Ende. Nur die Wurst hat zwei.

Auch Biltong hat zwei.

Ok, ich bin fast am Ende.

Die Reise ist fast zu Ende.

Wo ist die Zeit geblieben?

Aber eins ist gewiss: Diese Heimreise trete ich mit einem viel zu schweren Koffer an, wo nicht nur eine Menge Souvenirs drinnen sind, sondern eine unvergessliche Zeit mit vielen Erlebnissen, Erfahrungen, Glücksmomenten, auch nachdenklichen und sentimentalen Stunden, musikalischen Höhepunkten im Pub und und und.

Aber bevor das Ganze hier in einen Trauerbericht ausartet, komme ich zurück zu Fakten.

Montag ist unsere liebe Professorin mit uns ins ehemalige Township nach Katutura gefahren. Wir haben bis jetzt nur die „guten, positiven“ Seiten vom Land, vor allem von Windhoek, gesehen und erlebt. Ich finde es total wichtig, ALLE Seiten kennenzulernen, deswegen habe ich mich extrem auf den Ausflug gefreut.

Kabana-Markt in Katutura mit getrockneten Würmern, Fischen und Bohnen

Kabana-Markt in Katutura mit getrockneten Würmern, Fischen und Bohnen

Unsere erste Destination war der „Kabana-Markt“. Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habe, gehe ich gerne auf Märkte und erforsche mit Leidenschaft andere Essensbräuche und ja, ab und zu koche ich auch selber. ;-) Deswegen war ich so glücklich, dass ich hier in Namibia noch die Möglichkeit hatte, auf einen Markt zu gehen – was für ein Erlebnis! Getrocknete Würmer, Getreide, Bohnen, Früchte und….Fleisch. Um ehrlich zu sein, war der Anblick zu Beginn sehr verstörend. Es lagen eine Menge rohes Fleisch und Gedärme von Rindern herum – ungekühlt. Den ersten Würgereiz überwunden, habe ich das alles genau inspiziert – andere Länder, andere Sitten! Die Einheimischen, die mit dem Fleisch beschäftigt waren, riefen uns mit einem schelmischen Grinsen „Welcome to Namibia, ladies!“ zu. Na vielen Dank! Sie haben mich nicht dazu gebracht, das gegrillte Fleisch zu probieren. Der Augenaufschlag war nicht gut genug.

Lust auf Kabana?

Lust auf Kabana?

Weiter ging es dann ins „Illegal Township“. Leute, das war harte Kost. Ich hatte Tränen in den Augen. Ein ganzer Stadtteil voll mit Blechhütten. Kein Strom. Kaum Wasser. Gerade mal ein Dach über dem Kopf.

Kulturschock!

Da wird einem wieder einmal bewusst, was wir eigentlich für „First World Problems“ haben.

Danach sind wir noch durch das Reichenviertel gefahren, um diesen Riesenunterschied zwischen reich und arm zu sehen – untragbar. Solche Extremen in einer Stadt. Seitdem ich das gesehen habe, sehe ich die Stadt mit ganz anderen Augen. Wie unfair die Ressourcen aufgeteilt werden! Auf der einen Seite der Stadt gibt es weder Strom noch fließendes Wasser und auf der anderen Seite, im Zentrum, packen sie dir im Supermarkt jede Banane in ein separates Plastiksackerl.

Auf der einen Seite macht es mich traurig und hilflos, auf der anderen Seite auch ziemlich nachdenklich und machtlos. Ich kenne diese Extremen nicht. Uns geht es im Vergleich zu diesen armen Menschen einfach so unendlich gut, dass es teilweise eine Schande ist, dass wir unsere „Probleme“ als jene bezeichnen.

Emotional ging es dann auch schon weiter. Am Dienstag wurden wir mit einem Pick-Up abgeholt, um zu einem Kinderheim zu fahren. Ich habe von zuhause ein paar Stofftiere mitgebracht und wir waren ein paar Lebensmittel einkaufen. Der Weg dahin war zu Beginn recht lustig. Wir sind hinten am Pick-Up gestanden und waren somit zu 200% in der „Auslage“. Halb Windhoek hat uns nachgerufen. Ein paar Taxifahrer wollten an der Ampel sogar ein Foto von uns schießen. Ein Mädchen hätte beinahe einen Stein nach uns geworfen.

Plötzlich sind wir abgebogen und genau in dem Viertel gelandet, wo wir tags zuvor durchgefahren sind – im „Illegal Township“. Uns ist das Lachen sofort vergangen. Wir weißen Europäerinnen als einzige mit einem großen Auto zwischen Armut und Blechhütten. Ich wollte eigentlich nur im Boden versinken.

In der Kinder-Betreuungsstätte angekommen, sind wir ausgestiegen und haben uns erstmal umgesehen. Naja, 2 Blechhütten für über 20 Kinder. Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich diese namibischen Kinder und Babies liebe?! Wenn die mich mit ihren dunklen Kulleraugen ansehen, könnte ich auf der Stelle alle einpacken und mitnehmen. Wie gerne ich helfen würde!

Die Kinder haben sich total über die Geschenke und über die Stofftiere gefreut. Sie haben sie mit einer gewissen Neugierde und Freude und Ungeduld in Empfang genommen. Ich werde den Moment niemals vergessen, als die Kinder sich um mich gereiht haben und alle eine kleine Stoff-Fingerpuppe haben wollten, die ich mitgebracht habe.

Tja, und dann sind wir gefahren und alles scheint für uns wie immer normal zu sein. Aber mit dem Gedanken, dass diese Kinder immer noch dort sind und wahrscheinlich auch noch lange bleiben werden, hat dieser Normalität einen ganz bitteren Beigeschmack verleiht.

Am Abend war dann unser letzte Karaokeabend. Wir haben wieder alles gegeben. Und die Zeit ein bisschen übersehen. Ups, naja, egal, die Professorin von unserer Mittwoch-Morgenstunde war es bereits gewöhnt, dass wir nur physisch halt anwesend waren.

Uni-Selfie mit unseren Professorinnen und Organisatorinnen

Uni-Selfie mit unseren Professorinnen und Organisatorinnen

Kinder, wie die Zeit vergeht. Mittlerweile haben wir September und am Donnerstag war unsere "Farewell Ceremony" auf der Uni. Wir haben unsere Portfolios abgegeben und mit den Professoren und Organisatorinnen einen kleinen Umtrunk veranstaltet - wie süß die alle waren! Sie haben sich alle bei uns bedankt, dass wir da waren und ihre Uni besucht haben. Zum Abschluss haben uns die Professorinnen sogar geknuddelt - herzerwärmend, sag ich euch.

Freitag war Abreisetag für unsere Mädels! Sie haben Lisa und mich für das letzte Wochenende wieder alleine gelassen. Komisches Gefühl. Man wächst in so einer langen Zeit schon zusammen! Vor allem, wenn man gemeinsam so viele neue Erfahrungen und Erlebnisse macht.

Auf dem Hügel ganz rechts am Bild haben wir gefrühstückt.

Auf dem Hügel ganz rechts am Bild haben wir gefrühstückt.

Das letzte Wochenende haben wir zu zweit in Windhoek verbracht – übrigens das erste und letzte auf der ganzen Reise. Am Samstag am Morgen hatte ich den absolut besten Platz zum Frühstücken seit einer Ewigkeit. Ich war ich mit einer Bekannten aus dem Hostel außerhalb von Windhoek beim „Avis Dam“ wandern. Ein Damm, der seit Jahren trocken ist. Vorbei an trockenen Dornensträuchern und Büschen sind wir auf einen Berg hinaufgeklettert, um dort die wunderbare Aussicht zu bewundern – wieder einmal ein Moment, der in Worten und Bildern unbeschreiblich ist.

Wie es sein sollte, beendet man eine Reise nach Afrika ganz klischeehaft mit einer Safari-Fahrt. Das wars, was wir heute am Vormittag gemacht haben. Lisa und ich waren auf der „Okapuka-Ranch“ – eine wunderschöne Ranch ca. 30 km außerhalb von Windhoek. Wir sind mit einem richtigen khakifarbenen Safariauto gefahren. Juhuuuu! Ich kann mich von den Tieren hier gar nicht sattsehen: Giraffen, Springböcke, Wildschweine, Nashörner zum Greifen nahe, ein Straußennest, usw.

Zusätzlich wurde heute die Zeit umgestellt: Es ist nun offiziell Frühling in Namibia! Der Stundenzeiger ist eine Stunde nach vorne gehüpft, das heißt, überhaupt kein „Jetlag“ für uns, wir haben nun die gleiche Zeit wie in Österreich! Schon eine kleine Einstimmung auf Zuhause. Obwohl es schon auch schade ist, jetzt zu gehen. Es ist richtig heiß mittlerweile hier und ich habe mich in den letzten Wochen von 2 Decken, der langen Pyjamahose, den Socken und dem Wollpulli in der Nacht entledigt. UND: Die Tür war offen! Hab leider vergeblich auf die Schlange zum Kuscheln gewartet.

Nun steh ich am Ende meiner Reise. Ein letztes Mal schlafen hier in Windhoek (sofern das Bett bis dahin leer geräumt ist von den ganzen Sachen, die noch in den Koffer sollten). Ich freue mich richtig auf die Heimreise. Meine Nase und mein Hals freuen sich auf Feuchtigkeit. Lisa freut sich, dass sie mir im Flugzeug beim Schlafen zusehen darf. Ich freu mich unendlich auf meine Lieben zuhause. Und auf Hummus. ;-)

Zum Schluss bleibt mir nur noch eins zu sagen: DANKE, Namibia für diese unvergessliche Zeit!

 

 

Comment