Aus 2 mach 12!

Woche 2 war wieder gefüllt mit vielen neuen Erlebnissen und Erkenntnissen, die ich euch natürlich nicht vorbehalten möchte.

Letzten Mittwoch sind die 10 Mädls, mit denen wir auf die Uni gehen, aus Österreich, Deutschland, Schweiz und Südtirol, angereist. Nun sind wir komplett und ich bin mehr als zuversichtlich, dass die Zicken zuhause geblieben sind (die Männer übrigens auch – unser Busfahrer dachte, wir sind nicht ganz dicht, weil wir zu zwölft ohne Männer verreisen – wie kann es frau auch nur wagen?!).

Die Reise kann beginnen!

Die Reise kann beginnen!

Am Abend gab es dann erstmal ein richtig namibisches BBQ: Oryxfleisch und einen Gemüseeintopf aus dem Potjie (Foto siehe unten)– ein toller (kulinarischer) erster Abend.

Donnerstag in der Früh sind wir losgefahren, um unsere Campingausrüstung abzuholen – ein Stühlchen, ein Becherchen, ein Zeltchen und ein Töpfchen für jede, mehr braucht man doch für zwei Nächte campen nicht, oder?! Denkste. Wie die Möbelpackerinnen von Ikea haben wir den ganzen Vormittag damit verbracht, Stühle, Zelte, Kisten, Gaskocher, Matten, Stangen und Schlafsäcke von A nach B zu schleppen (das klingt hier jetzt harmloser als es ist: Ich hab meinen Oberarm-Mukkis beim Wachsen zugesehen. Danach gings zum Einkaufen: Eine Wochenend-Ration Futter für zwölf hungrige Mägen im Voraus zu besorgen und zu planen klingt einfacher als es ist. Wir haben den Supermarkt um mindestens 150 Plastiksackerl erleichtert – juhu!

Nun kommt natürlich die berechtigte Frage auf, wo es denn hinging nach all diesen Strapazen: Unsere erste Ausflugsdestination war Spitzkoppe - auch das Materhorn Namibias genannt. Es gibt zwei Hauptgipfel, wobei das dazugehörige Bergmassiv aus 120 Millionene Jahre altem Granit besteht. Gut für uns, das Granit schenkte uns einen tollen Halt unter den Füßchen.

Unser Fahrer Helmut (Nein, nicht weißhaarig mit Wohlstandsbaucherl, sondern kahlrasiert und in seinen 30-ern) hat uns in vier Stunden Busfahrt in den Norden in die Namib-Wüste gebracht, wo wir kurz vor Sonnenuntergang es noch geschafft haben, unsere besagten Zelte, nachdem wir sie von C nach D gebracht haben, aufzustellen. Das ging wirklich ruck-zuck. Da hat auch der Helmut nichts mehr zu unserem Männermangel gesagt.

Im Finsteren ging es dann ans Feuerchen machen und ans Gemüse schnippeln. Ich kann eins sagen: Dieser Potjie ist ein wahrer Wundertopf. Egal, mit welchen Lebensmitteln man ihn befüllt, das Ergebnis war bis jetzt immer ein wahrer Genuss. Am Wochenende gab es Gemüseeintopf mit Kartoffeln, Süßkartoffeln, Karotten, Kraut, Zwiebeln, Mais, Bohnen, Tomatensauce und Gewürzen – ob das Raucharoma zum Rezept gehört, sei dahingestellt.

Danach wurde unter freiem Sternenhimmel diskutiert, ob die Milchstraße aus Sternen UND Wolken besteht, ob die Venus nun direkt unter dem Mond sichtbar sei und ob das Kreuz des Südens tatsächlich im Süden zu finden ist – leider konnten wir zwecks Internetmangel und einer passenden Kompass-App nicht alle Fragen beantworten. Was jedoch bleibt, ist die Erinnerung an diesen unendlich schönen Sternenhimmel mitten in der Wüste Namibias.

Samstag war voller Action. Nachdem ich zitternd aufgewacht bin, gönnten wir uns um halb 7 erstmal den Sonnenaufgang, woraufhin die Temperaturen auch schon anstiegen. Bis mittags hatten wir dann eine gefühlte Temperatur von 40 Grad – Winter halt. ;)

Sonnenaufgang auf unserem Campingplatz

Sonnenaufgang auf unserem Campingplatz

Wir kletterten auf den Granitsteinen herum und besuchten mit einem einheimischen Guide das „Bushmen’s Paradise“, die bis zu 4000 Jahre alten Gesteinmalereien. Leider verschwinden die Malereien nach und nach, weil manche Menschen glauben, sie können ungefragt in die Natur eingreifen (wie so oft) und sich Teile von diesen bemalten Gesteinsbrocken mit nachhause nehmen.

Bushmen Malereien - Wer findet die Figuren?

Bushmen Malereien - Wer findet die Figuren?

Der Aufstieg war steil, die Mühen haben sich aber gelohnt – nach diesem Motto erlebten wir dann den restlichen Nachmittag noch so einige landschaftliche Highlights.

Das Beeindruckendste für mich war diese unbeschreibliche Ruhe und Unendlichkeit, die uns diese Landschaft bot. Oftmals erlebe ich solche Momente der Stille am Meer, welches einem auch oft unendlich erscheint. Diese Weite wirkte ähnlich und doch so anders. Beide sind auf ihre Art unvergleichbar und wunderschön und dennoch tritt man ihnen mit einem gewissen Respekt gegenüber, da sie einem so mächtig erscheinen.

Auch die Sonne wollte uns zeigen, was sie kann, zumindest hat es mein Gesicht zu spüren bekommen. Man munkelt, dass ich knallrot war am Abend – aber der Staub und Dreck hats ganz gut kaschiert (Außerdem gab es eh keine Spiegel dort.). Am Abend brauten wir uns, wie sollte es auch anders sein, Gemüseeintopf, bevor die Party so richtig losging.

Wir haben Einheimische kennengelernt, die uns in ihre Bar eingeladen haben. Verkohlt, verstaubt und mit löchrigen Leggins hat uns unser „Taxi“ (ein Pick-Up mit offener Ladefläche hinten, ich bin mir wieder vorgekommen wie ein Möbelpacker von Ikea) abgeholt und nach Spitzkoppe city…ahm…village gebracht, welches stattliche 600 Einwohner zählt. Nun ja, die „Bar“… Eine kleine Hütte, wo wir 750ml-Flaschen Bier um ca. 1 Euro gekauft haben, mit einem schönen Lagerfeuer mit Sesselkreis, extra für uns vorbereitet. Die Musik lief und Mensch und Tier (eine Ziege, um genau zu sein) tanzte zur afrikanischen Musik.

Ziegenmarsch bei der Anreise

Ziegenmarsch bei der Anreise

Schön wars! Die Leute versprühen eine gewisse Leichtigkeit durch ihr Tanzen und eine Fröhlichkeit durch jede Menge billigen Alkohol. Nein, Spaß beiseite. Ich habe einen sehr positiven Eindruck von den EinwohnerInnen gewonnen. Sie leben ihr kleines, bescheidenes Leben, ohne sich mit so genannten „First World Problems“ herumzuschlagen.

Nach einer kleinen Tanzsession gings dann auch wieder zurück ins kuschelige Zelt. Es war 22 Uhr. Tja, der Rhythmus hier ist ein bisschen ein anderer. Ich mag ihn! Mit der Sonne aufzustehen und mit ihr schlafen zu gehen, sprich, einfach im Einklang mit der Natur zu leben, gefällt mir.

Sonntag am Morgen haben wir dann auch schon wieder unsere Zelte abgebaut, die gesamte Campingausrüstung von E nach F getragen und die Heimreise angetreten. Am Rückweg sind wir in „Okahandja“ stehen geblieben, um auf dem bekannten Holzmarkt noch ein paar Souvenirs kaufen zu können. Am liebsten hätte ich einen ganzen Container voll mit selbstgefertigten Schüsseln, Besteck, Schmuck, etc. eingekauft.

Kommende Woche beginnt die Uni und gleichzeitig ist "Cultural Festival" dort. Ich bin schon gespannt, was mich erwartet: Ich halte euch am Laufenden!

 

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