Der letzte Post von Verena und ich liegt schon ein Weilchen zurück, deswegen ist es "high time", dass wir uns aus der Küche zurückmelden. Wir haben lange an unseren neuen Rezeptideen gebastelt. Was lange währt...

Wenn man an einer "Kolumne" zum Thema österreichische Küche arbeitet, sei es vegetarisch oder nicht, kommt man nur schwer an den allseits beliebten Spätzle herum. Spätzle sind einfach zuzubereiten, die Zutaten findet man in jedem Supermarkt und sie schmecken sowohl Alt als auch Jung. Ich erinnere mich immer gerne an meine Au-Pair-Zeit in Frankreich zurück, wo ich mir extra ein Spätzlesieb mitgenommen habe und die Kinder jede Woche mindestens 3x Spätzle wollten. Das lustigste war dann immer, dass sie es das ganze Jahr über nicht schafften, die richtige Aussprache dieses Wortes zu lernen. Zugegeben, es ist für Französischsprachige auch nicht das einfachste - "unaussprechlich gut" sind sie also, diese kleinen Teigknöderl. 

In der österreichischen Küche werden sie klassisch mit Gulasch serviert, auch Käsespätzle findet man auf der Speisekarte (vor allem auf den Almhütten im Winter) und bei Oma gab es früher und gibt es immer noch oft Eierspätzle mit Salat. 

Die Grundmasse besteht aus Mehl, Salz, Milch oder Wasser und Eier ("Je mehr Eier, desto besser.", behauptet die/der Österreicherin/der Österreicher.). "Kennen wir eh schon..." haben sich Verena und ich gedacht und gegrübelt, wie man Spätzle "einmal anders" zubereiten könnte. Vegetarische Spätzle sind einfach gemacht, mit Käse, mit Ei,...alles kein Problem. Unsere Challenge, die wir uns gesetzt haben, sind vegane Spätzle und da wir beide keine Fans von "Ersatzprodukten" sind, haben wir unserer Kreativität freien Lauf gelassen und anstatt Käsespätzle mit veganem Käse (Dieser vegane Käse ist für mich mit Abstand das Ersatzprodukt, welches ich am allerwenigsten schätzen kann - man führe sich die Zutatenliste zu Gemüt.) einfach komplett neue Spätzlegerichte aus dem Boden...ähm...Herd gestampft. 

Foto von Verena

Foto von Verena

Spinatspätzle zweierlei Art...Verena hat sich zum einen der pikanten Version gewidmet und da ich Süßspeisen als Hauptmahlzeit ganz besonders an der österreichischen Küche gern hab, habe ich mich zum anderen über ein süßes Spätzlegericht "getraut". 

Vielleicht denkt sich die eine oder der andere jetzt: "Spinat ist doch pikant, wie kann sie es nur wagen, ihn in eine Süßspeise zu verwandeln?!" Ja, wie kann ich nur! Grundsätzlich, wenn ich Spinat zubereite, zum Beispiel als Strudel, gebe ich immer einen geriebenen Apfel und Nüsse hinzu - das harmoniert ganz wunderbar. Deswegen bin ich von meinem Gericht mehr als überzeugt. Für mich war es auch der erste Versuch und er ist wirklich gelungen! 

Fancy Farbe - ein Augenschmaus auf höchstem Niveau. 

Fancy Farbe - ein Augenschmaus auf höchstem Niveau. 

Grundsätzlich ist es übrigens überhaupt kein Problem, auch "pure" Spätzle vegan zuzubereiten. Verwende einfach Pflanzenmilch, ein bisschen Mineralwasser und Sojamehl oder aufgeweichte Leinsamen zum Binden. 

Süße Spinatspätzle mit Apfel und Nüssen 

Zutaten (für 2 Personen): 

Zeit: ca. 30 Minuten 

  • 150 g Dinkelvollkornmehl (Es kann auch Weizenmehl, bzw. die Nicht-Vollkorn-Variante verwendet werden; ich benutze grundsätzlich nur Vollkorn und wenn möglich, Dinkelmehl; nicht nur wegen dem guten, nussigen Geschmack, sondern weil das Vollkorn mehr Nährstoffe enthält als das Mehl von geschältem Korn)
  • 225 g passierter Spinat (tiefgekühlt; in manchen Supermärkten findet man kleine Packungen; Ich habe zum Beispiel eine bei Billa gefunden) 
  • 1 EL Leinsamen, geschrotet 
  • 1 Prise Salz 
  • Ein Schuss prickelndes Mineralwasser 
  • 2 mittelgroße Äpfel 
  • 40 g Haselnüsse, halbiert bzw. grob gehackt 
  • 2 EL Ahornsirup
  • 1/3 TL Nelken, gemahlen 
  • 1 EL Kokosöl 
  • nach Belieben: Ahornsirup 

Zubereitung: 

Für den Spätzleteig lasse den Spinat auftauen. Lasse die geschroteten Leinsamenkerne in etwas heißem Wasser aufquellen.  

Vermische das Mehl und das Salz in einer großen Schüssel. Füge dann Leinsamen und Spinat hinzu und verrühre die Zutaten. Falls der Teig zu fest ist, gieße etwas prickelndes Wasser zur Masse. Beginne, wie bei dem klassischen Spätzleteig, die Masse mit einem Kochlöffel "zu schlagen", damit sich die Zutaten gut vermischen, der Teig Blasen wirft und sämig wird. 

Bringe in einem großen Kochtopf gesalzenes Wasser zum Kochen. 

In der Zwischenzeit schäle und entkerne die Äpfel. Schneide sie kleinwürfelig. Halbiere die Haselnüsse. 

Mithilfe des Spätzle-Siebes bereite die Spätzle zu, lass sie einmal aufkochen und seihe sie ab. Schrecke sie sofort mit genügend kaltem Wasser ab, bis das Wasser einigermaßen klar ist (Wenn man die Spätzle nicht abschreckt, dann läuft Gefahr, dass sie zu klebrig und weich bleiben.). 

Erhitze das Kokosöl und den Ahornsirup in einer Pfanne, füge die Äpfel und das Nelkenpulver hinzu und lasse die Äpfel für zwei Minuten karamellisieren und weich werden. Gib die Spätzle in die Pfanne und erwärme sie bei geringer Temperatur, bis sie warm sind. Hebe die Haselnüsse unter und serviere das Gericht mit etwas Ahornsirup, falls es zu wenig süß ist (Geschmack ist individuell!). 

Alternativ kannst du auch alle Zutaten kalt mischen, eine Backform mit Kokosöl ausfetten und ca. 15 Minuten bei 200 Grad in den Ofen geben. 

Serviere das Gericht auf Tellern oder schlemme es einfach direkt aus einer Form. 

Serviere das Gericht auf Tellern oder schlemme es einfach direkt aus einer Form. 

Fazit: 

Ich mochte Spätzle immer schon. Dieses Experiment hat mir einmal mehr bewiesen, dass die österreichische Küche eine sehr "Dankbare" ist; dahingehend, dass man einige Rezepte mit ein bisschen Kreativität und einer kleinen Prise "out of comfort-zone-spirit" easy "ummodellieren" kann, sodass sie auch für VegetarierInnen und VeganerInnen zugänglich sind. Ein bisschen wertfreies "über den Tellerrand-Blicken" reicht da oftmals schon aus. 

Ich denke, als Nächstes werde ich gleich einmal ein deftiges Erdäpfelgulasch mit Spätzle ausprobieren! :-) 

 

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